Drucksache: Von Mailings und verpassten Chancen.

Ich will nicht über den grundsätzlichen Sinn oder Unsinn klassischer Mailings philosophieren, wenn ich nun auf ein sehr klassisches Mailing eingehe.

Es geht wirklich nicht darum, ob man Mailings macht oder nicht. Der klassische Brief hat Kraft und Klasse - manchmal ist er das absolut richtige Medium. Mir geht es im konkreten Fall darum, wie dieses Mailing speziell äußerlich daherkommt. Ich habe es meiner Kollegin vom Tisch "gemopst", denn bis zu mir (eigentlicher Adressat) hat es das Schreiben überhaupt nicht geschafft. Wieso fragen Sie? Na ganz einfach: Es steht "Infopost - Ein Service der Deutschen Post" an der Stelle, an der üblicherweise eine Marke klebt oder der Streifen der Frankiermaschine endet.

Absender ist eine Rechtsanwaltskanzlei aus Karlsruhe-Durlach. Sie schickt uns freundlicherweise das aktuelle Seminarprogramm (hmmm...) mit einem zweiseitigen Anschreiben (yikes!) als Vorspeise. Die Unterschriften sind billigst/schäbigst im gleichen Schwarz wie der Text gedruckt; im Anschreiben sind obendrein noch so wichtige Passagen wie der Name der Kanzleigesellschafter fett gedruckt, wirklich wichtige inhaltliche Schlüsselworte aber nicht. Das Seminarprogramm weicht zu allem Überfluss auch farblich erheblich vom Briefbogen ab (statt elfenbei ist es weiss, statt im Firmen-Rot ist es in einem Orangeton gedruckt).

Das ist Geldverschwendung!

Das Ding bringt doch nicht die Bohne! Bitte, bitte, bitte - niemals wieder!

  • Sie sind RA? Dann frankieren Sie das Schreiben wie einen Brief - so nimmt es die erste Werbefilterhürde viel leichter; B4-Umschläge von Anwälten haben da echt gute Chancen (Standesrecht gegenchecken!)
  • Im B2B-Bereich ist praktisch jedem klar, dass Infopost (vergleichsweise) "inhaltsgleich" ist; niemand erwartet also einen echten Brief: Papierkorb!
  • Gestalten Sie das Anschreiben knackig und kompakt und kommen Sie zum Punkt (ohne hektisch oder flapsig zu wirken)
  • Machen Sie sich die Mühe, die Schreiben zu unterschreiben. Wenn Sie zuviele versenden, um das zu machen, passt die Aktion in dieser Form (soll "persönlich" wirken) ohnehin nicht ...
  • Es muss im Zweifelsfall ja auch nicht immer der Chef unterschreiben: Qualifizierte und verantwortliche Mitarbeiter sind ebenso gerngesehene Absender (Wenn der Chef unterschreibt und ich später nur mit dem Unter-Ober-Assistenz-Helfer in Ausbiludng zu tun habe, weil der Chef ja "nicht alle Kunden persönlich betreuen kann", wieso schreibt er mir dann einen Brief? Authentisch sein!)
  • Achten Sie darauf, dass die Optik der Aussendung stimmt (Orange und Rot sind einfach zwei verschiedene Farben; gut eine Mischfarbe und eine Farbe - sei's drum)
  • Keine ollen Kamellen! Keine Schenkelklopfer! Keine Kalauer!
  • Knackige Sätze mit Aussage; keine wirren Schachtelsätze
  • Kein P.S. mit 5 Web-Links (fett gedruckt), die nichts aussagen und nur verwirren
  • Weniger ist mehr - versuchen Sie nicht, mit einem Mailing gleich alles zu präsentieren
  • Lassen Sie sich von Profis helfen, wenn Sie das Gefühl haben, nicht über das nötige Wissen und die Erfahrung zu verfügen

Lieber Absender:

Egal, was Ihnen Ihre Agentur oder Ihr verantwortlicher Marketer an "Erfolg" präsentieren wird: Richtig gemacht wäre viel mehr dabei herausgekommen. Auch wenn es nur ein Mailing einfachster Art war.

 

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Beitrag von Marc Stoecker am 06.06.2008 um 16:38 in Fragen und Antworten | Ideen, Tipps und Tools
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Marc Stoecker verantwortet Strategie und Planung bei mindrevolution. Seit über zehn Jahren berät er die Kunden in Strategie- und Entwicklungsfragen und entwickelt dafür aus Daten und Fakten schlagkräftige Konzeptionen für erfolgreiche Kommunikation.

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